Literaturhinweis:

Paul Gerhard Schoenborn: Nachfolge - Mystik - Martyrium
- Studien zu Dietrich Bonhoeffer -

 Paul Gerhard Schoenborn:

Nachfolge - Mystik - Martyrium
- Studien zu Dietrich Bonhoeffer

Edition ITP-Kompass, Münster 2012, 253 Seiten, 18,00 €, ISBN: 978-3-9813562-3-6

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Dietrich Bonhoeffer (1906 – 1945), der „Theologe im Widerstand“, wird weltweit beachtet. Christen in der Dritten Welt berufen sich in Befreiungskämpfen auf ihn. Denn er verlor sein Leben, weil er den Putsch gegen Adolf Hitler bejahte und aktiv unterstützte.

Bonhoeffers Worte, aber vor allem sein politisches Engagement in der Nachfolge Jesu geben Menschen im Widerstand Mut. Das mit seiner Theologie identische Leben und sein Märtyrertod machen ihn bis heute zu einem wahrhaft ökumenischen Heiligen.

„Nachfolge - Mystik – Martyrium - Studien zu Dietrich Bonhoeffer“ versammelt Texte von Paul Gerhard Schoenborn aus mehr als drei Jahrzehnten, in denen er sich bemüht hat, Dietrich Bonhoeffer zu verstehen und ihn anderen Menschen nahezubringen. Sie stellen den Theologen und Märtyrer in die weltweite Schar der Märtyrer des politischen Christus. Sie fragen nach den mystischen Impulsen, die Bonhoeffer in der Nachfolge Jesu Christi empfing, und nach den ethischen und politischen Motiven, die ihn in seinem Engagement bestimmten.

Themen:

Bonhoeffers umstrittenes Märtyrertum

Bonhoeffer in Lateinamerika

Bonhoeffers Widerstand gegen die Judenverfolgung

Ökumenische Aspekte einer Theologie des Martyriums

Dietrich Bonhoeffer – Mystik und Politik

Politischer Protest und christliches Martyrium

Der Entscheidungsweg eines lutherischen Christen

Der Autor, Paul Gerhard Schoenborn (1934), ist evangelischer Theologe und Verfasser oder Herausgeber von Sachbüchern, Arbeitshilfen und Medienpaketen zur politischen Theologie und zum Kirchenkampf. 1996 veröffentlichte er „Alphabete der Nachfolge Märtyrer des politischen Christus“.

Leseprobe GoogleBooks:
http://books.google.de/books?id=hNwv_aXdTYQC&pg=PA6&hl=de&source=gbs_selected_pages&cad=3#v=onepage&q&f=false

Inhalt


Vorwort    0
1. Die Christus nachfolgen, schauen auf ihn.    00
2. Dietrich Bonhoeffers umstrittenes Märtyrertum    00
3. Bonhoeffer in Lateinamerika - Beziehungen zwischen Dietrich Bonhoeffer und Christen und Theologie in Lateinamerika    00
4. Dietrich Bonhoeffers Widerstand gegen die Judenverfolgung im Dritten Reich    000
5. Ökumenische Aspekte einer Theologie des Martyriums - am Beispiel Franz Jägerstätters und Dietrich Bonhoeffers    000
6. Dietrich Bonhoeffer – Mystik und Politik    000
7. Dietrich Bonhoeffer – der Entscheidungsweg eines lutherischen Christen    000
8. Politischer Protest und christliches Martyrium – Kaj Munk, Dietrich Bonhoeffer, Oscar Romero und viele andere    000

Zum Schluss    000

Vorwort

Seit meiner Schüler- und Studentenzeit beschäftige ich mich mit Dietrich Bonhoeffer. Er kam weder im Religionsunterricht meines Gymnasiums noch in den Vorlesungen und Seminaren während meines Studiums vor und auch nicht im Predigerseminar. Aber daheim hatte unser Vater Edmund Schoenborn, kein studierter Theologe, aber auf anderen Bildungswegen schließlich Pastor der Evangelischen Kirche im Rheinland, eine umfangreiche theologische Bibliothek. Darin befanden sich – immer gleich nach ihrem Erscheinen - die aufregenden „neuen“ Bücher von Dietrich Bonhoeffer, die Eberhard Bethge aus dem Nachlass seines Freundes herausgab. Und unser Vater hatte aus den Trümmern unserer Wohnung zwei Vorkriegsschriften geborgen: Bonhoeffers Vortrag von 1933 „Dein Reich komme! Das Gebet der Gemeinde um Gottes Reich auf Erden“ in „Das kommende Reich – zwei Vorträge“, Furche Verlag, Hamburg, und „Theologische Existenz heute“ Heft 61: „Gemeinsames Leben“, Christian Kaiser Verlag, München, 1939.

Bonhoeffer wurde also bei uns in der Familie gelesen. Besonders seine Gefängnisbriefe „Widerstand und Ergebung“ packten mich jungen Menschen. Die Zeiterkenntnis der „mündigen Welt“ und die Aufgabe einer „nichtreligiösen Interpretation biblischer Begriffe“ eröffneten mir neue Perspektiven in der doch manchmal sehr engen protestantischen kirchlichen Szene der Nachkriegszeit, in der einerseits Pietismus, andererseits Barthianismus den Ton angaben. Ich erinnere mich noch gut an lange Diskussionen über „Widerstand und Ergebung“ mit Horst Bommel, einem schon lange verstorbenen Duisburger Freund.

Nach und nach wurde mir die Struktur der theologischen Existenz Bonhoeffers klar. Die Übereinstimmung von Biographie und Theologie, die Verwobenheit seines Lebens mit seiner theologischen Reflexion beeindruckten mich tief und vor allem, dass sein gewaltsamer Tod die Konsequenz seines Engagements war, sein Martyrium gleichsam das beglaubigende Siegel. So wurden die Nachfolgethematik bei Bonhoeffer, nicht nur in seinem Buch „Nachfolge“, seine für mich offensichtliche Mystik und sein Martyrium für mein Bonhoefferverständnis zentral.

In der Zeit meines aktiven Pfarrdienstes habe ich mich immer tiefer in Bonhoeffers Schriften eingearbeitet. Meine Frau und ich wurden sogleich nach der Gründung Mitglieder der Internationalen Bonhoeffer-Gesellschaft und haben bei deren Konferenzen viel gelernt, nicht zuletzt von Eberhard Bethge. Ich habe das, was sich mir dabei erschloss, sowohl in der Gemeindearbeit wie später in Seminaren der Studentengemeinde, der Erwachsenenbildung und in einigen Berliner Bibelwochen weitergegeben. Das waren auch für mich immer neue wichtige Lernerfahrungen.

Immer wichtiger wurde mir, Bonhoeffer nicht als Solitär zu sehen, sondern als nur einen in der großen Schar der umstrittenen „Märtyrer des Reiches Gottes“ (Pedro Casaldáliga) der heutigen christlichen Ökumene. Die Impulse, die von ihm ausgegangen sind und noch immer ausgehen, lernte ich in eins zu sehen mit denen, die von anderen Märtyrern des politischen Christus wie Franz Jägerstätter, Kaj Munk, Martin Luther King oder Oscar Romero ausgehen.

Einige meiner Bonhoeffer-Vorträge wurden im Laufe der Jahre publiziert, meist in Transparent, der „Zeitschrift für die kritische Masse in der Rheinischen Kirche“, manche dazu auch in Imprimatur. Nun habe ich sie zu diesem Buch zusammengetragen.

Es sind Texte aus drei Jahrzehnten. Sie zeigen in zeitlicher Reihenfolge meine jeweiligen Einsichten. Bonhoeffer-Zitate, um deren Verständnis und richtige theologische Einordnung ich mich bemühte, wiederholen sich dabei in wechselnden Kontexten. Das Buch stellt eine Dokumentation von in sich abgerundeten Studien dar. Es besteht nicht aus einer Abfolge von Kapiteln, die aufeinander aufbauen. Jeder meiner Texte spricht erst einmal für sich und sollte auch so vom Leser wahrgenommen werden.

Ich danke Monika Bilstein vom Peter Hammer Verlag, Wuppertal, für die Abdruckerlaubnis des Bonhoeffer-Kapitels aus meinem 1996 dort erschienenen Buch „Alphabete der Nachfolge - Märtyrer des politischen Christus“ und den Freunden der Redaktion von Transparent für die Bonhoeffer-Graphik auf dem Umschlag. Es freut mich, dass diese Aufsatzsammlung in der Edition ITP-Kompass des Instituts für Theologie und Politik in Münster erscheint, mit dessen Arbeit und dessen Menschen ich mich seit seiner Entstehung sehr verbunden fühle.

Das Buch widme ich meinem Bruder Ulrich Edmund Schoenborn in Marburg zu seinem siebzigsten Geburtstag. Einige Fußnoten in dieser Sammlung nehmen Bezug auf seine Arbeiten. Mit ihm habe ich mich regelmäßig theologisch ausgetauscht, seit auch er Theologie studierte. Ihm verdanke ich wertvolle Einsichten in die lateinamerikanische Befreiungstheologie, was nicht ohne Auswirkung auf mein Verständnis Dietrich Bonhoeffers geblieben ist. In den letzten Monaten haben wir zu meiner Freude viel über Bonhoeffer und den Kirchenkampf in Ostpreußen gesprochen, weil er derzeit darüber forscht.

Paul Gerhard Schoenborn                           Wuppertal, 26. April 2012